Honorary award
for the best digital educational media.
Comenius Sustainability Prize
Bewertungssystem und Qualitätskriterien für Bildungsmedien für nachhaltige Entwicklung (BMN)
Einführung in die Qualitätskriterien von Bildungsmedien im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit.
Die Deutungshorizonte von Nachhaltigkeit sind kontextuell (Wachstum, Wachstumsgrenzen und Wachstumschancen von Wirtschaft und Gesellschaft) und im Sprachmodell von Medien transfigurativ: eine medial konfigurierte Bildung verweist die Charakterisierung von Kommunikation, Organisation, Kultur und Gesellschaft als solche, die wechselseitig im Gebrauch, notwendig und möglich sind: Nachhaltigkeit der natürlichen Ressourcen als Chance und Notwendigkeit einer sozial nachhaltig ausgerichteten und sich so zueinander verständigenden Gesellschaft im Modell von nachhaltig ausgerichteten Programmen von Bildung, zunehmend realisiert im Kontext von deren Medialisierung und Mediatisierung.
Das fordert die Qualität – zunächst von Inhalten (nachhaltigkeitsrelevantes und fachdefiniertes Wissen, Expertise, Referenzen, Erfahrung), verlangt aber auch die nachhaltige Qualität von medialer Ästhetisierung (didaktischem Mediengebrauch im Rollenspiel von Lehren und Lernen (z.B. Möglichkeiten von Internalisierung, Motivation und Souveränität) und nachhaltigkeitswirksamer pädagogischer Intention (soziale Praxis im Muster ethischen Verstehens von lernbaren Inhalten: Identifikation, Verantwortung), wenn Bildungsinhalte durch deren bildungskulturelle Vermittlung (Medialisierung) und deren bildungstechnologisch möglichen Mechanismen (Mediatisierung) nachhaltig gekennzeichnet (medial ästhetisiert) werden.
Entscheidend für die Kennzeichnung der Preiswürdigkeit von bildungsrelevanter Qualität der für den ausgeschriebenen Award eingereichten Bildungsmedien wird daher sein, ob und inwieweit Nachhaltigkeitskriterien in allen bzw. in bestimmten Kategorien (inhaltliche, didaktisch-pädagogische Ausrichtung, mediale Formate, Behaltens- und Umsetzungswerte, Kreativität, mediale Affinität) erfüllt werden. Eine Perspektive der Bewertung wird daher Nachhaltigkeit als universeller Bildungswert sein (müssen): Das als (sozial-diskursive, symbolisch-kulturelle) gedanklich erstandene und medial beschrieben Bild einer nachhaltigen Welt macht sich kenntlich in einem harmonisch abgestimmten Verhältnis von Wissen, Bewusstsein und Haltung gegenüber den natürlichen, den sozialen, den kulturellen, den symbolischen und inspirativen Werten von Welt. Deren Sinn zu verstehen, heißt dann, ihren Nutzen, ihr Erscheinen (Ästhetik) und ihren Wert (Ethik) für die Existenz-Gestaltung (das Leben) des Menschen in den Modalitäten von Wissen, Bewusstsein und Haltung glaubhaft zu machen. Dies alles ist in dem universellen Begriff von Nachhaltigkeit so impliziert, dass der Begriff wie eine Metapher zur Beschreibung von Zusammenhängen genutzt (medial dargestellt) werden kann: Nachhaltigkeit als Kompetenz (Wissen und Bewusstsein als Grundlage für Verantwortung und Haltung), Werte, Zustände, Geschehnisse, Ereignisse und Haltungen zueinander zu verbinden, um so dem in der Begrifflichkeit von Nachhaltigkeit eingeschlossenen Charakter Komplexität, von Konnektivität und Kontextualität gerecht zu werden.
Diese eben genannten Charakteristika sind in den Kriterien zur Qualitätsbewertung der für den Nachhaltigkeitspreis eingereichten Bildungsmedien mit-konnotiert.
Sustainability model for digital educational media for sustainable development (BMNA)
Das nachfolgend skizzierte Modell Nachhaltigkeit ist eine Grundlage für die Bewertung von digitalen Bildungsmedien für eine nachhaltige Entwicklung (BMNA), die nachfolgend charakterisiert werden..
Digital educational media for sustainable development (BMNA)
sind Träger von Informationen über Gegenstände und Prozesse und Mittel der Kommunikation zwischen allen Beteiligten.
Sie sind pädagogisch bzw. didaktisch strukturiert, für den Einsatz in Lehr- und Lernprozessen konzipiert, insbesondere für eine nachhaltige Entwicklung, und stehen auf diversen elektronischen und digitalen Datenträgern (Internet, USB, hybride Produkte etc.) zur Verfügung.
Weitere Grundlagen für die Bewertung von Bildungsmedien leiten sich aus folgenden Zielen und Botschaften für eine nachhaltige Entwicklung ab:
- Dreieck Nachhaltigkeit
- Ökologie – Ziele der ökologische Dimension der Nachhaltigkeit,
- Ökonomie – Ziele der ökonomischen Dimension der Nachaltigkeit,
- Soziales- Ziele der sozialen Dimension der Nachaltigkeit.
- Fünf Kernbotschaften der Agenda 2030 („5 Ps“) des BMZ:
- Den Planeten schützen (Planet)
Klimawandel begrenzen, natürliche Lebensgrundlagen bewahren - Wohlstand für alle fördern (Prosperity)
Globalisierung gerecht gestalten - Die Würde des Menschen im Mittelpunkt (People)
Eine Welt ohne Armut und Hunger ist möglich - Frieden fördern (Peace)
Menschenrechte und gute Regierungsführung - Globale Partnerschaften aufbauen (Partnership)
- Global gemeinsam voranschreiten
- 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs):
- Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen
- Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen
- Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen
- Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben.
- Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten
- Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern
- Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
- Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
- Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern
- Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen
- Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen
- Armut in jeder Form und überall beenden
- Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern
- Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern
- Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern
- Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen
- Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.
Davon ausgehend wurden folgende Kriterienbereiche abgeleitet und für die Evaluation mit Qualitätskriterien für Bildungsmedien für eine nachhaltige Entwicklung konzipiert:
Kriterienbereiche
Kriterienbereich 1:
Qualitätskriterien zur Nachhaltigkeit:
– Ökologie, Ökonomie, Soziales ; (Nachhaltigkeitsdreieck)
Kriterienbereich 2:
Qualitätskriterien
– Nachhaltige Bildungsmedien
– Bildungsmedien für Nachhaltigkeit
Weitere Kriterienbereiche
– Qualitätskriterien zu Bildung, Kompetenzen, Didaktik
– Qualitätskriterien zu Design, Gestaltung,
– Qualitätskriterien zu Technik, Handhabung, Anwendung, Innovation
werden im Comenius-Award im Rahmen der folgenden Medienarten bewertet:
- DDM – Didaktische Digitale Medien
- DMB – Digitale Medien mit Bildungspotential
3. SDB – Spielbasierte Digitale BildungsMedien
5. LMS – Lehr- und LernManagementSysteme. - BLEP – Blended-Learnig-Programme
Kriterienbereich 1
| Kriterienbereich 1 Qualitätskriterien zur Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie, Soziales ; (Nachhaltigkeitsdreieck) |
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| Qualitätskriterien | Prüfaspekte | Punkt-wertung |
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1. UMWELT
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Auf der Ebene der ökologischen Dimension fördert das Produkt:
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(0-10) |
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2. ÖKONOMIE
Wohlstand für alle fördern (Prosperity) Globalisierung gerecht gestalten |
Auf der Ebene der wirtschaftlichen Dimension fördert das Produkt:
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(0-10) |
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3. SOZIALES
Die Würde des Menschen im Mittelpunkt (People) Eine Welt ohne Armut und Hunger ist möglich
Frieden fördern (Peace) Menschenrechte und gute Regierungsführung
Globale Partnerschaften aufbauen (Partnership) Global gemeinsam voranschreiten |
Auf der Ebene der sozialen Dimension fördert das Produkt:
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(0-10) |
| Punkte | Summe der Punktwerte (max. 30 Punkte) | |
| Gesamt | Kriterienbereich 1 Gesamtpunkte dividiert durch Anzahl der Qualitätskriterien / arithmetisches Mittel, 1 Kommastelle (max. 10 Punkte) |
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Kriterienbereich 2
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Kriterienbereich 2: Qualitätskriterien
Nachhaltigkeit ist ein normatives Konstrukt von wirtschaftlich, sozial und politisch relevanten, aber ökologisch gedachten Werten, das sich aus der kritischen Wahrnehmung der komplexen Verbindungen, der gesellschaftlich bedingten Zusammenhänge und der daraus sich ergebenden Widersprüche zwischen öffentlichen und privaten, zwischen individuellen und sozialen, wie ebenso aus politischen und ideologischen Verständigung (Diskurs) über die Ansprüchen der Lebensführung zu erkennen gibt.
Medien, insbesondere solche, die im öffentlichen oder privaten Kontext von Bildung im Gebrauch sind, werden hier im Zusammenhang der Bewertung ihrer Qualität nicht nur hinsichtlich ihrer Nützlichkeit (nachhaltige Technologie), ihrer Anschaulichkeit oder Gefälligkeit (nachhaltige Ästhetik), sondern auch hinsichtlich ihrer inhärenten Wertigkeit (nachhaltige Ethik) geprüft: wie sie gebraucht werden oder auch welche Muster des individuellen und/oder sozialen Gebrauchs (Medialität) im Kontext von Bildung (Wissen, Bewusstsein, Haltung) nahegelegt oder empfohlen werden.
Bildung, insbesondere in dem weiten Horizont zunehmender Medialisierung (kulturell) und Mediatisierung (strukturell) der Muster öffentlicher und persönlicher Verständigung über Wissen und Wissenswertes, ist nicht nur zu verstehen als didaktisch arrangiertes Inhaltsvermittlung von Lehrenden zu Lernenden, sondern gewinnt die Wertigkeit von Wissen, Bewusstsein und Kompetenz im Rahmen der Verständigung zwischen Menschen, die gesellschaftlich und institutionell eingebunden sind in Rollen mit zugeordneten (persönlichen und sozialen) Erwartungen der Lehre und des Lernens. Dies aber geschieht im gesellschaftlich-medialen Umfeld, das zunehmend in die institutionellen Vorgänge und das institutionelle Verständnis von Bildung eingreift (social media, AI). Das verlangt einerseits nach einem offenen und diskursiven Begriff von Bildung , nach Akzeptanz von Diversität, andererseits nach kritischer Wahrnehmung der Möglichkeiten und Anregungen zu nachhaltigem Gebrauch von Ressourcen und Quellen: Literacy, Resilienz, Kompetenz sind hier die relevanten Stichworte, die die (neue, emanzipatorisch, kulturell und diskursiv gedachte) Verteilung von Fertigkeit, Fähigkeit, Motivation und Verantwortung für eine sinnvolle und für das (soziale und persönliche) Leben nachdauernd relevante Wertigkeit rechtfertigen.
Aus diesem Grund sind folgende Qualitätskriterien für die Prüfung und Bewertung von Bildungsmedien in Betracht zu ziehen:
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| Qualitätskriterien | Prüfaspekte | Punkt-wertung |
| 1. KOMPLEXITÄT |
Das Produkt begründet und erklärt:
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(0-5) |
| 2. KONTEXTUALITÄT |
Das Produkt begründet:
|
(0-5) |
| 3.MEDIALITÄT |
Das Produkt fördert:
|
(0-5) |
| 4. DISKURSIViTÄT |
Das Produkt bietet:
|
(0-5) |
| 5. BILDUNG |
Das Produkt bietet:
|
(0-5) |
| 6. MEDIENQUALITÄT |
Das Produkt bietet Anregungen für:
|
(0-5) |
| 7. EMPATHIE |
Das Produkt motiviert zu:
|
(0-5) |
| 8. SUSTAINABILITY LITERACY |
Das Produkt steigert das Interesse an:
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(0-5) |
| 9. VERANTWORTUNG |
Das Projekt erklärt:
|
(0-5) |
| 10. GESELLSCHAFTSPOLITIK |
Das Produkt thematisiert:
|
(0-5) |
| Punkte | Summe der Punktwerte (max. 50 Punkte) | |
| Gesamt | Kriterienbereich 2 Gesamtpunkte dividiert durch Anzahl der Qualitätskriterien / arithmetisches Mittel, 1 Kommastelle (max. 5 Punkte) |
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| Gesamtpunkte |
Addition der Punkte
max. 15 Punkte |
Anmerkung:
| Interpretation der Gesamtpunktzahl | ||
| 14.0 – 15.0 Punkte | Beispielhafte Medienproduktion |
Sehr gut |
| 12.0 – 14.9 Punkte | Empfehlenswerte Medienproduktion |
Gut |
| 9.0 -11.9 Punkte | Geeignete Medienproduktion |
Befriedigend |
| 5.0 – 8.9 Punkte | Verwendbare Medienproduktion |
Ausreichend |
| ≤ 4.9 Punkte | Nicht zu empfehlende Medienproduktion |
Mangelhaft |
Literatur
Bauer, Thomas A. (2014): Communication scientific thinking. Perspectives of a contextual theory of social understanding. Vienna (Böhlau)
Bauer, Thomas A. (2017): Understanding knowledge in media society. Theoretical sketches on the mediology of social learning. IN: Bauer, Thomas A. (Mikuszeit, Bernd H. (ed.): Teaching and learning with educational media. Basics – Projects – Perspectives – Practice. Brussels – New York (P.Lang)
Bauer, Thomas A. (2023): Performative Mediality – Hermeneutical Notes Observing Challenges and Chances of Media Change. IN: Metaverse and future communications. Istanbul, Commerce University Publication No. 69, p. 6 – 18
Bourdieu, Pierre (1993): The field of cultural production. Stanford (University Press)
Habermas, Jürgen (1980): Theory of communicative action (2Bde). Frankfurt (Suhrkamp)
Luhmann, Niklas (1974): Social systems. Outline of a general theory. Frankfurt (Suhrkmp)
Mead, George Herbert (1972): Mind, Identity and Society. From the perspective of social behaviorism. Frankfurt (Suhrkamp)
Schmidt, Siegfried J. (2003): Stories and discourses. Farewell to constructivism. Frankfurt (Fischer TB)
Schütz, Alfred / Luckmann, Thomas (1973 ): The Structures of Life-World. London (University Press)


